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KLAL EMUNIM und das Messianische Judentum


Frage: Was bedeutet KLAL EMUNIM und wo positioniert sich die Gemeinschaft innerhalb der «messianischen Bewegung»?

Antwort: KLAL EMUNIM steht für die Gemeinschaft der treuen Nachfolger des Weges unseres Herrn Jeschua HaMelech HaMaschiach im Neuen Bund. Wir sehen uns als eine konservative Richtung innerhalb des messianischen Judentums und stehen in der Tradition auf den 13 Glaubensgrundsätzen, wie sie Rabbi Mosche ben Maimon (RAMBAM), formulierte in Übereinstimmung mit der Thora von Mosche Rabbenu und der Thora des Maschiach.

Nachdem Gott mit dem Volk Israel am Sinai einen ewigen Bund geschlossen hatte, der nie gekündigt worden ist, lehnen wir die Mission und Evangelisation ab, die den Menschen suggeriert, dass einzig der Glaube an ‚Jesus‘ zum ewigen Leben führt. Insbesondere halten wir die Mission unter den Juden mit diesen Vorzeichen als kontraproduktiv und schädlich für die Verständigung zwischen den Gläubigen der jüdischen und christlichen Religion. Gleichzeitig sehen wir es als das gute Recht eines jeden Menschen, seine Glaubensüberzeugung öffentlich zu vertreten. Dies soll im gegenseitigen Respekt geschehen und darf kein Hindernis für einen Dialog sein.

Frage: Wie versteht KLAL EMUNIM dann den sogenannten Missionsbefehl?

Als Jeschua HaMelelch HaMaschiach seine Talmidim (Jünger) zu den Menschen in allen Völkern aussandte, war es eine Sendung des Friedens im Namen des Ewigen, g.s.E., und des gesamten Volkes Israels.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Gute Nachricht eben als die Botschaft des Volkes Israel verstanden wird, worin wir die Völker der Erde einladen, an unserem Heil teilzuhaben, wenn sie wollen. Diese Botschaft, versteht man sie im Licht der Offenbarung vom Sinai, enthält nur Gute Nachrichten, gerade für die Völker, und KEINE SCHLECHTEN NACHRICHTEN! Es besteht für die Noachiden – also alle Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören – keinen zwingenden Grund zu glauben, dass Jeschua der Maschiach ist, damit sie errettet werden, denn der Ewige ist treu auch zu Seinem Bund mit Noach und dessen Nachkommen, genauso wie ER zu Seinem Bund mit dem Volk Israel treu ist. Dabei stützen wir uns auf die Offenbarung der Thora und der Propheten, z.B. Jesaja1 oder auf Aussagen des Apostel Paulus, zum Beispiel in seinem Brief an die Römer2.

Frage: Was sind die Unterschiede zwischen KLAL EMUNIM und der in den letzten Jahrzehnten aufgekommenen »messianischen Bewegung»?

Wir sehen uns als monotheistische Gläubige, die an den allein wahren Gott, den Gott Israels und an die Sendung von Jeschua ben Joseph ben David3 glauben. Gleichzeitig teilen wir alle Glaubensgrundsätze des erwählten Volkes Israel. Der Stamm unserer Glaubensgemeinschaft bildet weiterhin das aus dem Samen der Erzväter stammende Volk Israel selbst. Die eingepfropften Glieder der Gemeinschaft bilden zusammen mit dem Stamm eine Ganzheit und alle zusammen gehören dem Volk Israel an.

Das trinitarische Dogma des Glaubens an „Jesus, Gott als Sohn“ als zwingende Heilsvoraussetzung ist eine Erfindung von Häretikern, die schließlich im 4. Jahrhundert die Spaltung der Gemeinde der Gläubigen in zwei Lager vollzogen haben. Seither steht auf der einen Seite Jeruschalajim und der Glaube der Väter Israels, auf der anderen Seite Rom und die Trinität. Diese zwei Lager existieren bis heute und wahrscheinlich bleibt es so, bis der Maschiach wiederkommt, möge es bald und zu unseren Tagen geschehen.

Frage: Wo liegen die historischen Wurzeln des sogenannten «messianischen Judentums?

Das Phänomen Jesus gläubiger Juden ist nicht neu. Davon zeugen die Konvertiten im Laufe der Jahrhunderte, ohne dass es innerhalb der Kirche eine besondere Denomination dieser Prägung bedurfte. Alle diese Juden wurden letztlich Christen kirchlicher Prägung. Neu ist, dass sich Gruppierungen als eigenständige Grösse sehen und sich meistens in ihrer Selbstdefinition als Teil des Judentums betrachten. Dabei gibt es in dieser Bewegung zahlreiche Unterschiede in Theologie und Struktur.

Aus jüdischer Sicht ist der Begriff ‚messianisches Judentum‘ eigentlich ein Pleonasmus. Gläubige Juden waren und sind seit den Tagen von Mosche Rabbenu in ihrem Selbstverständnis schon immer messianisch gewesen. Das Harren auf den Maschiach ist seit tausenden von Jahren ein fester Glaubensgrundsatz im klassischen Judentum. In diesem Sinn könnte der Begriff ‚messianisches Judentum‘, bezogen auf eine bestimmte Glaubensgemeinschaft, auch als Versuch einer Abgrenzung vom klassischen Judentum interpretiert werden.

Die historischen Wurzeln der jüngeren messianisch-jüdischen Bewegung liegen in der organisierten Judenmission, die von protestantischen Missionsgesellschaften im 19. Jahrhundert betrieben wurde. Der eigentliche Begriff ‚messianisches Judentum‘ kam erst in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf, als nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 und vor allem in den 90er-Jahren Juden aus der ehemaligen Sowjetunion von westlichen Missionaren evangelisiert wurden.

In den nicht selten evangelikal geprägten Gemeinden kann oft ein gewisses Überlegenheitsgefühl gegenüber dem heutigen Judentum festgestellt werden, indem das ‚Messianische Judentum‘ als das ‚einzig wahre‘ verstanden wird.

Frage: Wo liegen die Herausforderungen für KLAL EMUNIM in bezug zur «messianisch-jüdische Bewegung»?

Die meisten Gemeinschaften sind (juden)missionarisch tätig. Wir nicht. Die etablierten Kirchen lehnen aus historischen und theologischen Gründen die institutionelle Judenmission ebenfalls ab. Viele Vertreter der Kirchen, die im christlich-jüdischen Dialog stehen,  betrachten die missionierenden ‚messianischen Juden‘ daher als eine Bedrohung für den gegenseitigen Respekt, der in den letzten Jahrzehnten zwischen Juden und Christen aufgebaut werden konnte.

Im weiteren ist zu beobachten, dass es oft sowohl von jüdischer wie auch von christlicher Seite gegenüber ‚messianischen Juden‘ synkretistische Zuschreibungen gibt. Die Folge davon ist, dass sich Menschen, die sich als ‚messianische Juden‘ bezeichnen, von Juden und Christen zurückgewiesen und missverstanden fühlen. Bei näherer Betrachtung der zentralen Überzeugungen mancher Glaubensgemeinschaften vertreten diese eher ein ‚hebräisiertes Christentum‘ und sind meist freikirchlich organisiert.

Eine der grösseren Herausforderungen besteht darin, dass sich KLAL EMUNIM mit Knesset Israel verbunden sieht, auch wenn sie von der Mehrheit in Israel so nicht wahrgenommen oder gar anerkannt wird. Die ‚Messianische Bewegung‘ ist sehr heterogen und es lohnt sich, genau auf die Glaubensgrundlagen der einzelnen Gruppierung zu achten.

Frage: Was ist das Angebot von KLAL EMUNIM?

Wir laden ein, die Gute Nachricht, wie sie in Israel seit 2’000 Jahren verkündet wird, kennen zu lernen und sich unserem Volk in der Erfüllung des königlich-priesterlichen Dienstes im Rahmen des Neuen Bundes anzuschließen. Interessierte Menschen sind herzlich eingeladen, sich bei unseren Erew-Schabbat-Treffen oder an einem Wochenend-Seminar über die Zusammenhänge von Judentum und Neuem Testament zu informieren. Dazu verweisen auch die Websiten laschoresch.org und klalemunim.org.

Quellenverzeichnis:
https://www.klalemunim.org/de/
https://www.laschoresch.org/
http://www.jadbjad.de/aktuelles/nachbericht-zur-podiumsdiskussion-messiansiches-judentum-am-kirchentag-2015-und-interview.html
http://www.jadbjad.de/aktuelles/eine-orientierung-zu-judisch-messianischen-gruppen-und-der-kirchentagsentscheidung-juni2015.html
https://www.kirchenzeitung.ch/article/messianische-juden-ebenso-interessant-wie-umstritten-11035
https://www.bibleserver.com/